Das Werk Spuren steht stellvertretend für eine Fotostrecke von 100 s/w Aufnahmen von verschiedenen Spuren.
Mit der Kamera auf Spurensuche am Boden: Abdrucke, hinterlassene Zeichen, Fährten – Hinweise welches ein Lebewesen oder ein Objekt hinterlassen hat und anzeigt an dem Ort gewesen zu sein.
Was bleibt zurück? Ein matschiger Fussabdruck. Einschlüsse in Eis oder Stein. Die Spuren menschlicher und nicht-menschlicher Anwesenheit begegnen uns fast überall, ohne dass wir sie immer wahrnehmen. Erst wenn das Gehen nicht mehr zielgerichtet ist, kann sich der Blick frei machen für das, was die Spuren um uns herum über unsere Umgebung erzählen könnten, kann auf den Boden geblickt und dieser erkundet werden.
Der Historiker Carlo Ginzburg hat einmal die These aufgestellt, dass das Spurenlesen nicht nur eine Kulturtechnik ist, mit der Wissen produziert wird, sondern dass hierin auch ein Ursprung des Erzählens liegt: Eines seiner Beispiele ist das jahrtausendealte Spurenlesen bei der Jagd. Jäger:innen konstruieren aus Spuren eine Sequenz, eine Folge aus kleinen Ereignissen, mit der sie sich das Vergangene erschließen – erst ist das Tier hier vorbeigekommen, dann hat es dort Rast gemacht, usw. Wenn wir Spuren betrachten, dann stellen wir Verknüpfungen her, spekulieren darüber, wie sie entstanden sind und was sie uns mitteilen könnten. Auf diese Art sind sie in weitaus alltäglicheren Situationen als der Jagd für uns Orientierungsmittel: Etwa wenn wir auf Trampelpfaden den Abdrücken folgen, mit denen andere den Weg vor uns markiert haben. Wir ziehen durch sie Rückschlüsse auf bestimmte Gegebenheiten, schätzen Situationen ein und spinnen unsere eigenen Narrative.
Spuren, Zeichen und Symbole sind bedeutungstragende Auffälligkeiten im Alltag, die es bei der Spurensuche zu erkennen und erforschen gilt. Es geht die eigenen Ideen und Gedanken in Verbindung mit Raum, wobei auch das Nichtvorhandensein von etwas Bedeutung haben kann. Die Spurensuche macht es möglich, Konventionen auf den Grund zu gehen und Stereotypisierungen, Routinisierungen und Banalisierungen aufzudecken und zu minimieren.