spielwiese

SpielWiese
2011
Installation
Rasen
70/1000 cm

Installation im Projektraum Ehegraben, Zürich

,SpielWiese‘ verweist einerseits auf das Spiel und den menschlichen Drang zur lustvollen Bewegung in der Gemeinschaft, andernseits auf den Begriff ,grüne Wiese‘, die unbebaut als Versuchsfeld für experimentelle Konzepte verstanden wird. Neue Verhaltensweisen und Regelsysteme, welche sich in der Gesellschaft verfestigen, wurden schon seit Beginn der Menschheitsgeschichte spielerisch entwickelt und implementiert. Heilige Fussballspiele, ritualisierte Kampfspiele, Rittertourniere oder die Olympischen Spiele – die Liste ist lang und umfasst alle Kulturen und Epochen. Der ,homo ludens‘ als Grundlage unseres sozialen, politischen, religiösen und kulturellen Systems blickt auf eine lange Entwicklung zurück. Durch das Spielen, welches für das Erlangen von kognitiven und motorischen Fähigkeiten bedeutsam ist, erprobt der Mensch Handlungsabläufe, die sich dann in der Gemeinschaft zu festen Regeln herausbilden können.

Installiert im Durchgang wo historisch die Abfälle und Latrinen landeten. 

Das «Eh» des Wortes «Ehgraben» leitet sich vom mittelhochdeutschen «ê» ab, was etwas rechtlich Fest- gesetztes bedeutete («seit eh und je»). «Ehgraben» meinte ursprünglich die durch einen Graben markierte Grundstückgrenze, die häufig auch als Abflussrinne diente. 
Die Bedeutung des Begriffs hat sich schliesslich auf die Funktion als Abflussrinne verengt, die an der gemeinsamen Rückseite zweier Häuserzeilen verlief. Ehgräben gab es in der Stadt Zürich in grosser Zahl beidseits der Limmat, aber auch im Einzugsbereich des Wolfbachs im Gebiet von Neumarkt und Froschaugasse.

Die Abfälle aus den Küchen und Latrinen der Häuser fielen in den offenen Ehgraben hinunter. Für den Abfluss des Schmutzwassers sorgte das natürliche Gefälle, die festen Stoffe wurden durch ausgelegtes Stroh gebunden. Die Reinigung der Ehgräben war eine gemeinschaftliche Pflicht der Anstösser, die von Zeit zu Zeit «Ehgraben-Räumer» damit beauftragten. Diese legten den Mist an der nächstmöglichen Stelle zum Trocknen aus, von wo er nach kürzerer oder längerer Zeit in die Gärten, Felder und Weinberge abtransportiert wurde. Zum Teil säuberten auch Schweine die Gräben. Ein Ehgraben musste per Gesetzt daher im Minimum eine Breite auszeichnen, dass sich ein einjähriges Schwein wenden konnte. 

Mit der Kloakenreform von 1867/68 zog man Gewölbe in den Ehgräben ein und versenkte Kanalisationsrohre in den Boden. Das damals eingeführte Kübelsystem wurde nach dem ersten Weltkrieg durch das heute noch übliche Schwemmsystem ersetzt.