Die Filmanimation 'Wenn die Berg streitn', basierend auf dem Tiroler Mundart-Gedicht der österreichischen Schriftstellerin Anni Kraus (1897–1986), beschreibt, wie der 'Stänkerer', die 'vornehme Dame' und weitere Bergkegel kurz vor Sonnenaufgang poltern und zanken, um dann trotz allem übereinzukommen, wie unübertroffen doch die Gebirgswelt sei und wie nichtig Politik und Streit. Angesichts unserer globalen umweltpolitischen und klimatischen Herausforderungen ist dies eine künstlerische Hommage an die Natur und aktueller denn je!
Für die Filmanimation wurde der Originaltext in Schweizerdialekt übersetzt und die Tiroler Berge durch die sieben Churfirsten ersetzt. Für Dialektkundige und Sprachinteressierte wurde das Originalgedicht, erstmals 1963 in Innsbruck erschienen, auf einem sich über die gesamte Estrade hinziehende Textband festgehalten.
Habt's ös no nia ünsre Berg gheart streitn?
Dö hadern schun seit urdenkliche Zeitn.
Grad in der Früah muaß man die Loser aufsperrn,
da kriagt man nette Sachelen z'hearn.
Der 'Patscherkofl' isch der zwiderste Gsell,
a alter Stänkerer, meiner Seel.
Hat er nit heut an' Schneaball gschmissn,
und der 'Frau Hitt' ihrn Neblschleier derrissn!
Dabei lacht er no voll Hinterlischt
und sagt: "Weibele, i mecht grad fragen,
wia d'heut aufglegt bischt?"
Die arme Haut, zerscht ganz derschrockn,
beutlt'n Schnee von ihre Lockn.
"Mein Herr, Sie vergessn wohl, ich bin eine Dame,
Frau Hitt, bitte, ist mein Name."
"Geah du uralte Schachtl, mit dein fuaßlahmen Gaul,
bisch ja schun lang zun Schneuzn z'faul."
"Und Sie haben eine Glatze, Herr Patscherkofl,
und sind ein Charakter, schon mehr als schofl,
sonst würden Sie nicht gestatten, dass dies Menschengezücht,
tagtäglich auf Ihrem Kopf herumkriecht.
Ich steh allein hier, ganz nahe dem Himmel,
und spucke auf dieses Menschengewimmel."
"Hosch recht, du arrogante Nockn,
bleib alloan auf dein Spleen obn hockn.
Die Innschbrugger hom a Gaudi mit meiner Glatzn
und i laß mir sie gern a bißl kratzn."
"Geah mach di' decht nit gar so rar",
schreit jetz' voller Wuat das 'Hafelekar',
"i bin ja schliasslich a no auf der Welt
und dazua no a Trumm heacher gstellt."
Tua du di' jo nit protzn,
gegn mi' bischt du a Totzn!"
Jetz' brüllt der 'Glungezer': "Gebts amol Ruah,
i bin nervös und will no schlafn in der Fruah."
Bis jetz' hat die 'Nockspitz' still zuaglost.
Auf oamol sagt sie ganz erbost:
"Mei klassische Nasn
hun i gestern von an Künstler o'maln lassn."
Auf dös hin muass der 'Bettlwurf' derartig lachen,
daß die ganzn Inntaler aufwachn;
und böshaft spöttlt die 'Martinswand':
"Dei klassische Nasn, dö passt holt eini ins gschearte Tirolerland."
"Und ich befehle, jetzt ist Schluss!
Ich seh der Sonne ersten Strahlengruss,
da habt ihr zu schweigen,
und euch als Majestät zu zeigen."
Königin 'Serles' hat so gesprochn
drauf sein die Dickköpf z'sammenkrochn.
Und still, ganz still weards auf die Gipfl,
verschlafn reckn sich die Tannenwipfl,
sie Sunn streicht drüber in goldener Pracht.
Jetz' hom die Innschbrugger die Augn aufgmacht.
Sein ganz damisch von der Herrlichkeit
und vergessen auf Politik und Streit.
Und i bet im Stilln frisch und fromm
"Gott Lob und Dank, dass miar die Serles hom!"